Wertanalyse: Kochbücher. Man braucht nicht alle, viel ist trotzdem besser.

Als Besitzer einer umfangreichen Kochbuchsammlung kommt häufig die Frage, welche Kochbücher wirklich sinnvoll sind.

Es türmen sich unzählige Bücher im Regal, gespickt dazu kommen diverse Rezepte, die aus verschiedenen Zeitschriften rausgerissen, eingescannt und archiviert wurden. Garniert wird das Ganze noch mit einer unübersichtlichen Sammlung handgeschriebener Rezepte, von diversen Reisen in unterschiedlichen Ländern.

Nach unzähligen Versuchen Ordnung in das Chaos zu bringen, muss man sich leider eingestehen, dass es sich dabei um einen Kampf gegen Windmühlen handelt.
Wie also Ordnung in das Chaos bringen?
Rezepte aus Zeitschriften können schnell einscannt und gespeichert werden.  Mitschriften können entweder einscannt oder, wer es lieber klassisch mag, in einem Notizbuch zusammengefasst werden.
Selbst bei meiner Sammlung mit den eingescannten Rezepten strukturiere ich die Ordner immer um.
Jetzt kommen wir zum wichtigsten Punkt, den Kochbüchern. Hier hilft
ein Werkzeug aus der BWL weiter: die Wertanalyse.
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Die Wertanalyse unterteilt die verschiedenen Funktionen eines Produkts, in dem Fall Kochbücher, in die drei Fraktionen: Haupt- , Neben- und unnötige Funktion.

Bei der Hauptfunktion handelt es sich um die Funktion, die erfüllt werden muss. Die Nebenfunktion ist eine extra, was nicht unbedingt gebraucht wird. Es unterstützt die Hauptfunktion und kann/soll eine Kaufentscheidung auslösen. Eine unnötige Funktion kostet Geld und hat keine Bedeutung für das eigentliche Produkt.
Wie sieht eine Wertanalyse bei Kochbüchern aus, eine überflüssige Funktion ist nicht auszumachen. Rezepte stehen in jedem.
In Ausnahmen kann von einem unnötigen Kochbuch geredet werden. Ein Vegetarier/Veganer wird mit dem Fleisch Kochbuch vom Teubner nicht viel anfangen können.
Die Kategorisierung fällt etwas anders aus. Nützliche Kochbücher, interessante Kochbücher, aus denen man Ideen ableiten kann und zu guter letzt die Kochbücher, die wie Bildbände im Regal stehen.

Am Beispiel von vier Kochbüchern kann das so aussehen:
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1. Das kleine Buch vom Salz, erschienen beim Teubner Verlag
Ein sehr gut strukturiertes und umfangreiches Buch mit einer Menge an Produktinformationen über Salz.  Dazu kommen diverse Rezepte, wie man Salz aromatisieren und verfeinern kann. Lavendel-, Orangen-, Rauch- oder Kohlesalz sind einfach herzustellen und vielseitig einsetzbar. Dafür haben die Rezepte es in sich und teilweise eine sehr umfangreiche Zutatenliste. Umfangreiche Listen sind nichts Schlimmes, diese sind nur dann störend, wenn man die Zutaten danach nie wieder einsetzen kann. Ich habe seit über zwei Jahren Colman´s Senfpulver im Schrank, weil ich das für ein Wildschweingulasch-Rezept benötigt habe.
Kategorie: Interessantes Kochbuch, die umfangreiche Warenkunde macht es zu einem guten Nachschlagewerk. Die Rezepte um Salz zu veredeln sind sehr innovativ.

2. Mugaritz von Andoni Luis Aduriz, erschienen beim Phaidon Verlag
Andoni Luis Aduriz gehört ohne Zweifel zu den besten Köchen der Welt. Sein Restaurant, in der Nähe von San Sebastian, landet bei der Wahl zum besten Restaurant der Welt  regelmäßig auf den vorderen Plätzen.
Auf den ersten 90 Seiten gibt es die unterschiedlichsten Bilder und Geschichten, wie Gerichte entwickelt werden, die enge Zusammenarbeit mit dem Produzenten aus der Region und über den Saisonkalender. Dann geht es los mit Rezepten. Einem normal sterblichen Menschen, mit einer Standardküche, ist es meiner Meinung nicht möglich nur ein Rezept von Andoni nachzukochen. Die Rezepte sind zu umfangreich und komplex.  Es ist trotzdem sehr interessant zu sehen, wohin sich die Kochkunst in den letzten Jahren entwickelt hat. Die Aufmachung des Buchs ist fantastisch und die Bilder suchen ihres gleichen. Dafür lohnt sich der Kauf, zum Nachkochen nicht geeignet.
Kategorie:  Steht wie ein Bildband im Regal, man guckt es sich sehr gerne an.

3. Le guide culinaire von Auguste Escoffier, herausgegeben von Ernest Flammarion
Es gibt eine Neuauflage, ich hatte das große Glück eine Antiquariats-Ausgabe von 1921 geschenkt zu bekommen, das hat einen gewissen Charme. Zu der neuen Ausgabe kann ich somit nichts schreiben. Auguste Escoffier zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Köchen aller Zeiten, darüber muss man nichts mehr schreiben. Jeder der gerne kocht, hat schonmal eine Sauce gemacht, die ihren Ursprung bei Escoffier hatte.  Was soll man über das vielleicht beste Kochbuch der Welt schreiben? Die Mengenangaben müssen angepasst werden und bei einigen Rezepten stellt sich die Frage, wozu es notwendig ist. Welche Möglichkeiten einem ein Fischfond auf Rotweinbasis gibt, muss ich noch herausfinden.
Trotzdem gehört es in jede umfangreiche Kochbuchsammlung eines ambitionierten Hobbykochs.
Kategorie: Interessantes Kochbuch. Das Standardwerk der französischen Küche gehört definitiv in jede gute Sammlung eines Hobbykochs. Leute, die asiatische Küche bevorzugen, werden damit relativ wenig anfangen können und benötigen es  sicher nicht.

4. Piemont und Ligurien Küche & Kultur, erschienen beim GU Verlag
Ein Kochbuch aus dem Italienischen Norden. Die Regionen Piemont und Ligurien erstrecken sich von den Alpen bis zum Ligurischen Mittelmeer. Kräftige Braten, Nudeln aus Kastanienmehl, die nach einem schweren Barolo verlangen, sind in dem Buch ebenso festgehalten, wie die mediterrane Mittelmeerküche. Fischravioli, gefüllte Sardinen und geschmorte Hähnchenteile verlangen nach einem frischem Weißwein. Die Regionen werden vorgestellt, es gibt eine umfangreiche Wein-Reportage und zu guter Letzt noch ein Adressen-Verzeichnis. Auf das letztere würde ich mich jetzt nicht mehr verlassen, da die Ausgabe schon ein paar Jahre alt ist. Die Rezepte sind einfach, schnell gemacht und die meisten Zutaten hat man zu Hause.
Kategorie: Nützliches Kochbuch. Man findet immer ein Rezept, wenn nicht, zumindest eine Inspiration, was man machen kann. Es macht einfach Spaß zu lesen und die Rezepte auszuprobieren – ein regelmäßiger Gast in der Küche.

Die Liste sieht bei jedem anders aus, je nachdem, welche Küche man bevorzugt.

Anhand der Wertanalyse sollten keine Kochbücher aussortiert oder weggeworfen werden, es soll helfen zu selektieren, was man tatsächlich braucht. Regelmäßig koche ich Rezepte aus vier Kochbüchern, die anderen sind Nachschlagewerke und dann gibt es eben noch die Kochbildbände.
Ob es sinnvoll ist oder nicht, man hat eine weitere Möglichkeit seine Kochbücher zu sortieren, Hauptsache man hat Spaß.

 

 

 

 

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