Das „Le Moissonnier“ – Aromen der Provence am Kölner Ring.

Das Le Moissonnier hat den Ruf, eines der besten Restaurants Kölns zu sein, auch der Guide Michelin bestätigt das mit zwei Sternen. Wenn man sich auf der Homepage über das Restaurant informiert, kommen einige Fragen auf. Eric Menchon ist vor 25 Jahren aus Aix en Provence mit dem Zug am Kölner Hauptbahnhof angekommen und tatsächlich geblieben. Obwohl ich in Köln geboren und aufgewachsen bin, frage ich mich allen Ernstes, was ihn bewogen hat zu bleiben. Aix en Provence ist ein wunderbares und malerisches Dorf im Herzen der Provence, während der Kölner Hauptbahnhof vor 25 Jahren mit das Hässlichste war, das ich kenne, selbst wenn ich heute mit dem Zug aus Aix en Provence ankommen würde, hätte ich als Erstes das Bedürfnis zurück zu fahren. Eric Menchon hat sich entschieden zu bleiben und das zu tun, was er am besten kann – zu kochen.

Wenn man das Lokal aufsucht, fühlt man sich nach Paris versetzt, das Einzige, was den Eindruck etwas trüben könnte, sind die Spielothek auf der einen und der Getränkehändler mit Internetcafé an der anderen Seite. Aber das hat sich wahrscheinlich auch in Paris geändert und da ich demnächst einen ausgiebigen Städtetrip nach Paris mache, kann ich mir das vor Ort alles nochmal genau angucken.
Das Restaurant ist sehr hell und übersichtlich, die Tische sind klein und eng zusammen gestellt, passt eben auch zu Paris, die Wände sind gekachelt, was den Lautstärkepegel etwas anhebt, aber zur gesamten Atmosphäre passt. Dadurch unterscheidet es sich deutlich von anderen Restaurants in der Kategorie, was ich nicht negativ bewerten möchte, da das Entscheidende auf den Tellern passiert.

Das Brot steht schon auf dem reservierten Tisch, Butter wird zeitnah dazu gereicht, ist aber beides nicht besonders, was uns etwas überrascht. Ein Amuse-Gueule gibt es auch nicht, was in Restaurants dieser Kategorie selten ist, da die Köche an der Stelle auch gerne mal etwas ausprobieren. Ich hatte hier schon eine schreckliche Erfahrung mit einem Roquefort-Lolli, aber durchaus auch positive Überraschungen, wie z.B. eine sehr leckere gebratene Blutwurst.
DSC_0109 (2).JPGDas Wochenmenü startet mit gebratenem Seehecht-Filet aus dem Baskenland auf Paella-Sud. Dazu gibt es glasierten Mangold in Rote-Beete-Jus und Cashew-Creme sowie gratinierte Miesmuscheln mit Sobrassada. Es sah alles toll aus und war geschmacklich hervorragend, aber es wirkte nicht wie ein in sich abgeschlossenes Gericht, sondern wie eine Zusammensetzung von eben irgendwas zu einem Gericht.

Der zweite Gang, wilder, isländischer Kabeljau auf Kräutercremesauce mit einem dsc_0110Parmesan-Sellerie-Risotto und Pinienkernen, war da schon viel abgestimmter. Auch weil hier die Aufteilung meiner Meinung nach nicht so negativ ins Gewicht gefallen ist. So kann man das Risotto ohne die Kräutercremesauce essen. Wie der Seehecht im Gang zuvor ist der Fisch wieder perfekt und auf den Punkt gebracht. Die Kräutercremesauce passt auch und das Risotto hatte genau den richtigen Biss.

Mit dem Hauptgang, der eigentlich der Höhepunkt sein sollte, haben wir den Gang erreicht, der uns am wenigsten angesprochen hat. Gefülltes Short Rib vom australischen Rind, 24 Stunden geschmort, auf BBQ-Sauce mit Chutney von grünen Tomaten und dsc_0112frittierten Schalotten, roter Camargue-Reis, Erdartischocken-Barigoule, Mizuna-Salat, grüner Spargel mit Mandarinen-Gel und Mandel-Chouichou. Der Teller war wieder toll hergerichtet und auch die beiden Beilagen-Teller sahen zum Essen fast zu schade aus. Aber es war leider wieder wie im ersten Gang eine Mischung von Komponenten, die für den Genießer keine klare Linie hervorgebracht haben. Das Rind wurde von der Süße der BBQ-Sauce übertrumpft und ausgetrocknet, das es genauso gut hätte jedes andere Fleisch sein können, da es absolut keinen Eigengeschmack mehr hatte. Dazu kam, das es sehr trocken war – man kann den Sous-Vide-Garer gerne verteufeln, aber hier hätte er durchaus Sinn gemacht. Das Chutney mit den Schalotten und dem Reis hat ja durchaus gepasst, aber der Mizuna Salat war leider ein absoluter Fehlgriff, nicht weil er nicht geschmeckt hat, sondern weil er sich wie ein Fremdkörper im Gericht verhalten hat. Dass man australisches Rindfleisch nehmen muss, verstehe ich nicht so ganz. Es gibt sowohl in Deutschland sehr gute Rinderrassen und wenn man was Authentisches haben möchte, sollte man meiner Meinung nach zu Charolais-Rindern tendieren.

Das Dessert stimmt uns dann aber wieder versöhnlich, leider mit einer winzigen Ausnahme. „Gazellen-Horn“ mit Mandel-Butter-Creme und geräuchertem Karamell, libanesischer Kaffee, Mandel-Eis, Espuma von Pfefferminz-Essenz. Es gab wieder vieledsc_0114 Teller und kleine Gläser, aber daran konnte man sich ja schon gewöhnen und bei den unterschiedlichen Desserts hat das auch absolut Sinn gemacht. Die Pfefferminz-Essenz war etwas zu süß und es fehlte ein Hauch von Frische oder Spritzigkeit. Ein Spritzer Zitrone oder Zitronenminze und etwas weniger Zucker, aber das ist sicher auch Geschmackssache.

Der Service war sehr zuvorkommend und freundlich und die Weinempfehlungen waren genau richtig. Man kann das Le Moissonnier bedenkenlos weiter empfehlen, vielleicht sollte man die Experimente auch als einen Teil künstlerischer Freiheit definieren, den ich nicht zu 100% verstehe. Ich werde das Restaurant bei Gelegenheit auch nochmal besuchen, aber dann werde ich auf Fleisch verzichten und mich auf die wirklich hervorragenden Fischgänge beschränken.

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